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LĂŒge
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top
Eine LĂŒge ist eine Aussage, von der der Sender (LĂŒgner) â anders als bei der Unwahrheit â weiĂ oder vermutet, dass sie unwahr ist, sie aber mit der Absicht Ă€uĂert, dass der EmpfĂ€nger sie glaubt,cite-ref-1[1] oder anders formuliert âdie (auch nonverbale) Kommunikation einer subjektiven Unwahrheit mit dem Ziel, im GegenĂŒber einen falschen Eindruck hervorzurufen oder aufrecht zu erhalten [sic].âcite-ref-2[2]
LĂŒgen dienen dazu, einen Vorteil zu erlangen, zum Beispiel um einen Geldgewinn zu erlangen, eine Wahlentscheidung zu beeinflussen oder um Fehler oder eine verbotene Handlung zu verdecken und so Kritik oder Strafe zu entgehen. Gelogen wird auch aus Höflichkeit, aus Scham, aus Angst, Furcht, Unsicherheit oder Not (âNotlĂŒgeâ), um die PlĂ€ne des GegenĂŒbers zu vereiteln oder zum Schutz der eigenen Person, anderer Personen oder Interessen (z. B. PrivatsphĂ€re, IntimsphĂ€re, wirtschaftliche Interessen), zwanghaft/pathologisch, um Harmonie herzustellen, Zwietracht zu sĂ€en oder eine Intrige zu spinnen.
Contents
âą Allgemeines
âą Rechtliches
âą Strafrecht
âą Zivilrecht
âą Psychologie
âą Religion
âą Islam
âą Buddhismus
âą Philosophie
âą Augustinus
âą Thomas von Aquin
âą Kant
âą Nietzsche
âą Soziologie
âą Lange Nase
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Allgemeines
Von einer LĂŒge spricht man nur dort, wo ein ernsthafter VerstoĂ gegen die Sitten gesehen wird. Soll ein persönliches VerstĂ€ndnis fĂŒr eine bewusste Falschaussage geĂ€uĂert werden, verwendet man umgangssprachliche AusdrĂŒcke wie Geschwindel (Verb: schwindeln) oder Flunkerei (Verb: flunkern), so z. B. in Zusammenhang mit einem Scherz, bei emotionaler Ăberforderung, wenn ein Sachverhalt nur etwas beschönigt wird (Euphemismus) oder wenn die ausgedrĂŒckte Unwahrheit unmittelbar wieder zurĂŒckgenommen wurde.
Das umgangssprachliche Wort Schwindel hingegen bezeichnet entweder eine wiederum ernsthaftere TĂ€uschungshandlung in Kombination mit einer gemeinen LĂŒge (z. B. Betrug) oder einen Scherz mit weitreichenden Folgen (z. B. Aprilscherz, Fake).
Die LĂŒge unterscheidet sich von der TĂ€uschung dahingehend, dass eine TĂ€uschung ohne das Mittel einer falschen Aussage verĂŒbt werden kann. Zum Beispiel tĂ€uscht man, wenn man vorgibt zu schlafen, um andere zu belauschen. Wenn man dann gefragt wird und sagt, man habe geschlafen, ist das eine LĂŒge. In der Werbung, im VerkaufsgesprĂ€ch und in der politischen Propaganda wird oft mit LĂŒgen und TĂ€uschungen gearbeitet.
Die LĂŒge ist auf Sprache angewiesen: LĂŒgen können in jeder Form geĂ€uĂert werden, in der mit Sprache kommuniziert wird, zum Beispiel als Text in einer Zeitung oder in GebĂ€rdensprache.
In der zwischenmenschlichen Kommunikation werden unterschieden:
âą soziale LĂŒge
âą NotlĂŒge
âą ZwecklĂŒge
âą vorsĂ€tzliche (dissoziale) LĂŒge
âą zwanghafte, pathologische LĂŒge (Pseudologie)
âą Ausrede
Die soziale LĂŒge soll dem Wohl des Belogenen oder der Harmonie einer Gruppe dienen. Diese Art der LĂŒge soll meist dem friedlichen Miteinander und der Leistungsmotivation nĂŒtzen.
Die vorsĂ€tzliche LĂŒge oder auch gemeine bzw. verbrecherische LĂŒge hat den eigenen Vorteil zum Zweck und nimmt den Nachteil von Mitmenschen billigend in Kauf. Bei der Intrige (von lateinisch intricare, in Verlegenheit bringen) ist der Nachteil Anderer sogar das angestrebte Ziel.
Zwanghaftes LĂŒgen wurde in der Psychiatrie gelegentlich als Pseudologie bezeichnet. Heutzutage sieht man darin jedoch kein eigenstĂ€ndiges Krankheitsbild mehr, sondern ein mögliches Symptom der narzisstischen Persönlichkeitsstörung.
Der Autor Brad Blanton schlĂ€gt vor, auch Verhaltensweisen wie InformationszurĂŒckhaltung, Beschönigung und Ăbertreibung, aber auch soziale PhĂ€nomene wie TaktgefĂŒhl, Diplomatie als Formen der LĂŒge zu werten.cite-ref-3[3]
Rechtliches
Strafrecht
GrundsĂ€tzlich ist LĂŒgen nicht strafbar, unabhĂ€ngig davon, ob man sich mĂŒndlich oder schriftlich Ă€uĂert. Ein Angeklagter darf zur Sache immer schweigen, aber auch lĂŒgen, um sich selbst zu entlasten, man spricht dann von einer Schutzbehauptung. Strafrechtlich relevant werden kann eine LĂŒge als Verleumdung. Zeugen sind bei Vernehmungen stets dazu verpflichtet, die Wahrheit zu sagen. Eine LĂŒge stellt ein Aussagedelikt dar, wie zum Beispiel Falschaussage oder Meineid. Als Spezialfall der TĂ€uschung kann eine LĂŒge auch ein Betrugsdelikt darstellen, wenn es dadurch zu einer VermögensschĂ€digung der getĂ€uschten Person kommt. Schriftliche LĂŒgen können strafbar sein, wenn man zur wahrheitsgemĂ€Ăen Protokollierung verpflichtet ist (§ 348 StGB â Falschbeurkundung im Amt).
Zivilrecht
Auch zivilrechtlich ist niemand verpflichtet, in jedem Kontext die Wahrheit zu sagen. In VorstellungsgesprĂ€chen darf zum Beispiel bei bestimmten Fragen gelogen werden. So entschied das Bundesarbeitsgericht am 19. Mai 1983,cite-ref-4[4] dass LĂŒgen bei nicht relevanten Fragen, im abgeurteilten Fall die bisherige Höhe des Gehaltes, keine Anfechtung des Arbeitsvertrages wegen TĂ€uschung rechtfertigt. Auch das Vorliegen einer Schwangerschaft darf verheimlicht werden,cite-ref-5[5] sofern der Arbeitsplatz kein gesundheitliches Risiko fĂŒr Schwangere darstellt, z. B. wegen InfektiositĂ€t oder Strahlenexposition. Auch Vorstrafen dĂŒrfen verheimlicht werden, sofern sie im Bundeszentralregister gemÀà dem § 53 Bundeszentralregistergesetz gelöscht wurden.cite-ref-6[6] GefĂ€lschte Zeugnisse jedoch stellen auch nach Jahren noch einen KĂŒndigungsgrund dar.cite-ref-7[7] Nach Studien der Control Risk Group machen in Deutschland rund 12 % der Bewerber falsche Angaben ĂŒber ihren beruflichen Werdegang. Im Einzelnen schummeln 30 % bei den Daten zur BeschĂ€ftigung, 18 % bei den Qualifikationen, 13 % bei den Gehaltsangaben, 11 % bei den Daten zum Lebenslauf, 6 % bei den Angaben zum VerhĂ€ltnis zum ehemaligen Arbeitgeber, 4 % bei der Position und 1 % bei den Angaben zur FĂŒhrungsverantwortung.cite-ref-8[8]
Auch Arbeitgeber desinformieren in BewerbergesprĂ€chen. Nach Hesse/Schradercite-ref-9[9] gilt es in VorstellungsgesprĂ€chen als ein gutes Zeichen, wenn ein vermeintlicher Makel wie z. B. Gewerkschaftsengagement angesprochen wird, weil die Arbeitgeber tendenziell vermeiden, tatsĂ€chliche AusscheidensgrĂŒnde anzusprechen, besonders wenn sie nicht justiziabel sind. Beispiel fĂŒr nicht justiziable AusscheidungsgrĂŒnde sind Geschlecht, Konfession, Parteizugehörigkeit, Gewerkschafts- oder Betriebsratsengagement etc.
GeschÀftsordnung des Deutschen Bundestags
Im Deutschen Bundestag gilt es als unstatthaft, einen Abgeordneten der LĂŒge zu zeihen. Dies wird regelhaft mit einem Ordnungsruf oder mit einer RĂŒge durch den BundestagsprĂ€sidenten geahndet. Nicht geahndet wird es dagegen, wenn einem Abgeordneten unterstellt wird, er habe die Unwahrheit gesagt, weil dies die Möglichkeit impliziert, er habe sich nur geirrt. Auch der Vorwurf, jemand habe âwissentlich die Unwahrheitâ gesagt, zieht gemeinhin keine OrdnungsmaĂnahme nach sich.cite-ref-10[10]
Siehe auch
:
Recht auf LĂŒge
Psychologie
Psychologische Forschung
In der psychologischen Forschung können mehrere AnsÀtze unterschieden werden, die jeweils darauf abzielen, Merkmale zu bestimmen, mit Hilfe welcher die Unterscheidung zwischen einer wahren und einer falschen Erinnerung bzw. Aussage möglich ist.
Der Fokus kann entweder auf der Erinnerung liegen oder auf der Person, um deren Erinnerung es sich handelt. Weiterhin muss zwischen der bewussten und unbewussten LĂŒge differenziert werden, da sich die Verhaltensmerkmale der Personen und Inhalte der Aussagen in beiden FĂ€llen unterscheiden.
Legt man den Fokus auf die Person, kann man zum Beispiel herausfinden, ob die Person in ihrer Vergangenheit schon hĂ€ufiger gelogen hat, was ein Hinweis sein könnte. Weitere Möglichkeiten bestehen in der Analyse von verschiedenen Verhaltensmerkmalen oder auch Mikroexpressionen in der Mimik. Dies lĂ€sst sich jedoch nur anwenden, wenn es sich um eine bewusste LĂŒge handelt.
Bei der Fokussierung auf die Erinnerung werden die Inhalte nach Hinweisen untersucht, die falsche Erinnerungen von wahren Erinnerungen unterscheiden. Kriterien zur Untersuchung sind die logische Struktur, der Anteil an Details und weitere. Ein Problem der unbewussten LĂŒge besteht darin, dass die Erinnerungen sehr detailliert und reich an Informationen sein können und somit schwer von einer wahren Erinnerung unterschieden werden können.cite-ref-11[11]
Psychiatrisch-psychotherapeutische Unterscheidungen
Psychotherapeutisch wird unterschieden zwischen unbewussten und bewussten LĂŒgen. Mit dem Problem der falschen Erinnerung beschĂ€ftigt sich die GlaubwĂŒrdigkeitsbegutachtung. Als Konfabulation bezeichnet man eine sinnlos phantastische Ausdeutung fĂŒr ErinnerungslĂŒcken, die im Rahmen einer exogenen Psychose auftreten und typisch fĂŒr das Korsakow-Syndrom (= SekundengedĂ€chtnis + Konfabulation + Desorientiertheit) bei Alkoholmissbrauch sind.
Nach Heinz Kohut unterscheiden wir bei den unbewussten LĂŒgen solche, die Ergebnis einer frĂŒhkindlichen Verwahrlosung sind (Pseudologie), von LĂŒgen, die Ergebnis einer unzureichenden Verinnerlichung elterlicher Normen im Rahmen der ödipalen Phase entstanden sind. Ein Gewissen aus Einsicht entwickelt sich nach dem allgemeinen psychoanalytischen VerstĂ€ndnis lebensgeschichtlich erst in der phallisch-ödipalen Phase etwa im 4. bis 6. Lebensjahr. Der VorlĂ€ufer eines Gewissens aus Einsicht ist nach Schorsch das sogenannte prÀödipale Gewissen, das sich aus einer Strafangst und einem KontrollbedĂŒrfnis entwickelt.
Bewusste, vorsĂ€tzliche LĂŒgen stellen in der Psychotherapie oft ein groĂes Problem dar. LĂ©on Wurmser (1999) machte auf das Problem der institutionellen Verankerung der bewussten LĂŒge aufmerksam. Als Beispiele nennt er KrankenhĂ€user, UniversitĂ€ten sowie Politik und Wirtschaft. Er habe viele Patienten, bei denen das LĂŒgen eine Gewohnheit sei, die erst in der Psychotherapie fragwĂŒrdig und dann zu einem gewichtigen Gewissensdilemma werde. Er selbst habe kaum je in einer Institution gearbeitet, wo das LĂŒgen nicht zu einem Hauptinstrument der Macht, der Administration, geworden sei und die Weigerung daran teilzunehmen als SchwĂ€che oder gar als Verrat behandelt worden wĂ€re. Gewöhnlich werde nicht bedacht, dass kein Vertrauen in einer Gesellschaft möglich sei, in der TĂ€uschung und LĂŒgen geduldet, ja gepriesen werden und sich ein Abgrund des Misstrauens, ein paranoider Stil öffne, wenn das AusmaĂ der Unwahrheit eine gewisse Schwelle ĂŒberschreite.
Neurobiologie pathologischer LĂŒgner
Nach einer Studie der UniversitĂ€t SĂŒdkalifornien haben pathologische LĂŒgner eine verĂ€nderte Hirnstruktur. Sie haben einen gröĂeren Anteil von der fĂŒr InformationsĂŒbermittlung zustĂ€ndigen weiĂen Substanz im prĂ€frontalen Cortex als gesunde Vergleichspersonen und einen geringeren Anteil von grauer Substanz, die fĂŒr Informationsverarbeitung zustĂ€ndig ist.cite-ref-3sat-12-0[12]
Verhalten wĂ€hrend des LĂŒgens
Es gibt Ă€uĂerlich sichtbare, aber nicht eindeutige Anzeichen dafĂŒr, dass jemand lĂŒgt. Sie beruhen auf unbewussten VerhaltensĂ€nderungen, die durch Stress hervorgerufen werden, und unterscheiden sich teilweise von Mensch zu Mensch. Manche Verhaltensweise ist ambivalent â manche Menschen meiden Blickkontakt, wenn sie lĂŒgen, andere suchen diesen geradezu, um zu prĂŒfen, ob die LĂŒge geglaubt wird. Deshalb ist es selbst fĂŒr LĂŒgendetektoren und geĂŒbte Personen nicht zuverlĂ€ssig möglich, herauszufinden, ob jemand lĂŒgt.cite-ref-13[13] Selbst wenn man LĂŒgen erkennt, ist nicht zu erkennen, welcher Teil einer Aussage falsch ist und erst recht nicht, was die Wahrheit ist.
Folgende nicht eindeutige Handlungen und Merkmale können Anzeichen einer LĂŒge sein:
Die oben genannten Verhaltensweisen sind Anzeichen von Stress, der nicht in jedem Fall auf eine LĂŒge zurĂŒckzufĂŒhren ist. Ăngstliche oder nervöse Personen zeigen Ă€hnliche AuffĂ€lligkeiten. Je mehr Indikatoren jedoch beobachtet werden können, desto wahrscheinlicher wird eine korrekte LĂŒgenerkennung. Die Kriterien sind aussagekrĂ€ftiger, wenn sie an bekannten ĂŒblichen Verhaltensweisen der Person unter normalen UmstĂ€nden gemessen werden.cite-ref-14[14]
Siehe auch
:
Pseudologie
Religion
Bibel, Christentum und Judentum
In der Bibel wird der Teufel als âVater der LĂŒgeâ (Joh 8,44 ) bezeichnet, weil er Eva gegenĂŒber im Garten Eden die erste LĂŒge der Menschheitsgeschichte geĂ€uĂert haben soll, die dann zum SĂŒndenfall fĂŒhrte. Im 2. Buch Mose steht: âDu sollst nicht falsch gegen deinen NĂ€chsten aussagen.â (Ex 20,16 ), im 5. Buch Mose steht: âDu sollst nicht Falsches gegen deinen NĂ€chsten aussagenâ. Also das Verbot der gerichtlichen Falschaussage, was in Christentum und Judentum weithin als generelles Verbot der LĂŒge interpretiert wird. LĂŒgenreden benennt Jesaja, ein Prophet des Alten Testaments, als böse Werkzeuge des Schurken: âUnd die Werkzeuge des Schurken sind böse: er beschlieĂt böse AnschlĂ€ge, um die Elenden durch LĂŒgenreden zugrunde zu richten, selbst wenn der Arme redet, was Recht ist.â (Jes 32,7 ). Biblisch gesehen missfĂ€llt dem Gott Israels die LĂŒge und er unterscheidet zwischen Gut und Böse.
Jesaja warnt: âWeh denen, die das Unrecht herbeiziehen mit Stricken der LĂŒge und die SĂŒnde mit Wagenseilen und sprechen: Er lasse eilends und bald kommen sein Werk, dass wir's sehen; es nahe und treffe ein der Ratschluss des Heiligen Israels, dass wir ihn kennen lernen!â (Jes 5,18-19 ) und âWeh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer sĂŒĂ und aus sĂŒĂ sauer machen!â (Jes 5,20 ).
Das Buch der SprĂŒche warnt vor falschem Gewinn erworben durch LĂŒge: âWer SchĂ€tze erwirbt mit verlogener Zunge, jagt nach dem Wind, er gerĂ€t in die Schlingen des Todes.â ( Spr 21,6 ). Als eine Eigenschaft des Gerechten benennt das Buch der SprĂŒche die starke Abneigung gegen LĂŒge: âDer Gerechte ist der LĂŒge Feind; aber der Gottlose handelt schimpflich und schĂ€ndlich.â ( Spr 13,5 ).
Es ist aber auch festzustellen, dass in manchen Texten die LĂŒge nicht prinzipiell abgelehnt wird. Besonders auffĂ€llig ist die dreifach ĂŒberlieferte âGefĂ€hrdung der Ahnfrauâ (Gen 12,10-20 ): hier sichert die LĂŒge des Stammvaters Abraham bzw. Isaak das Ăberleben des Gottesvolkes. In Gen 27 erlistet Jakob durch eine Reihe von LĂŒgen den vĂ€terlichen Segen, ohne dass das negativ bewertet wĂŒrde; Ă€hnlich Gen 38 , wo die mit der Vorspiegelung falscher Tatsachen arbeitende Tamar ausdrĂŒcklich als âgerechtâ dargestellt wird. Die Bibel geht also davon aus, dass LĂŒgen unter bestimmten UmstĂ€nden geradezu nötig sind.cite-ref-15[15]
Islam
Im Allgemeinen ist LĂŒgen im Islam nicht erlaubt und wird als verwerflich betrachtet. Ausnahmen gibt es, um Leute miteinander zu versöhnen und bei ErzĂ€hlungen zwischen Ehemann und Ehefrau,cite-ref-16[16] auĂerdem ist es Schiiten unter bestimmten Bedingungen gestattet, ihren Glauben zu verleugnen, siehe dazu genauer den Artikel Taqiyya.
Buddhismus
Im Buddhismus wird aus dem Ideal der Leidvermeidung folgend das LĂŒgen als verbale ĂuĂerung negativ bewertet, da es den kausalen Ablauf der Dinge willkĂŒrlich beeinflusst, aber schlussendlich nicht von Dauer sei.cite-ref-17[17] LĂŒgen wird im Pali-Kanon, einer Sammlung von Lehrreden des historischen Buddhas, mehrfach genannt, unter anderem:
âą In den fĂŒnf Silas â Regeln zur Sittlichkeit (pali sÄ«la). An vierter Stelle solle man (musÄvÄdÄ veramani sikkhÄpadaáč samÄdiyÄmi) vom LĂŒgen abstehen im Sinne des bewussten Aussprechens von Unwahrheit.cite-ref-18[18]
âą Im dritten Glied des Edlen Achtfachen Pfades, welcher an die vierte Edle Wahrheit anknĂŒpft. Als Teil der dort definierten rechten Rede solle man âLĂŒge vermeiden, Verleumdung vermeiden, barsche Worte vermeiden [âŠ]â.cite-ref-19[19]
Philosophie
Augustinus
Augustinus geht in seiner Argumentation von der These vom natĂŒrlichen Sprachzweck aus, nach der die Sprache dazu bestimmt ist, die Gedanken mitzuteilen. In der LĂŒge wird dieser natĂŒrliche Sprachzweck gestört. Augustinus lehnt deswegen jede LĂŒge kategorisch ab und macht auf den Selbstwiderspruch der LĂŒge aufmerksam: LĂŒge muss, um erfolgreich zu sein, das Vertrauen in die Wahrheit menschlicher Rede voraussetzen, das sie zugleich zerstört. Augustinus betrachtet LĂŒge als eine SĂŒnde, bezeichnet sie als den Tod der Seele und betont den langfristigen Schaden, der durch LĂŒgen entsteht. Nicht einmal solche LĂŒgen sind erlaubt, die eine schwerere SĂŒnde (wie zum Beispiel Mord) zu verhindern suchen: Das Rechnen mit der möglichen SĂŒnde des anderen erweitert den fiktiven Verantwortungsbereich des Einzelnen ins Grenzenlose und ist deswegen unzulĂ€ssig. AuĂerdem gibt es fĂŒr Augustinus kein höheres Gut als die Wahrheit und deswegen ist LĂŒgen immer unzulĂ€ssig, weil die Wahrheit auch dann Vorrang hat, wenn durch sie beispielsweise ein menschliches Leben bedroht wird. Augustinus rĂ€umt ein, dass es schwerere und leichtere LĂŒgen gibt. WĂ€hrend das LĂŒgen in Glaubenssachen und LĂŒgen, die anderen Schaden zufĂŒgen wollen, besonders schwere SĂŒnden darstellen, handelt es sich im Fall von Nutz- und ScherzlĂŒgen nur um leichtere SĂŒnden. Der Charakter der SĂŒnde bleibt jedoch bei jeder LĂŒge erhalten.
Thomas von Aquin
Die Gedanken Thomas von Aquins ĂŒber die LĂŒge weisen zahlreiche Ăbereinstimmungen mit der Theorie des Augustinus auf. Genauso wie Augustinus geht auch Thomas in seiner Argumentation vom natĂŒrlichen Sprachzweck aus und kommt zum Schluss, dass jede LĂŒge einen sĂŒndhaften Charakter hat. LĂŒge zersetzt die Einheit von Erkennendem und Sein und verhindert somit das GlĂŒck, das an sich Erkenntnis und Austausch von Wahrheit ist. Thomas fĂŒhrt den Begriff der Wahrhaftigkeit ein, die er als eine Tugend betrachtet, die durch andere Tugenden wie z. B. Klugheit oder Liebe im Lot gehalten werden soll. Kluges Verschweigen und zweideutige Rede sind als leichte SĂŒnden, die den Menschen nicht vom wahren Ziel abhalten, zulĂ€ssig. Als völlig unzulĂ€ssig betrachtet Thomas genauso wie Augustinus die willentliche IrrefĂŒhrung in Glaubenssachen, also LĂŒgen bezĂŒglich Erkenntnisinhalten, die die Gotteserkenntnis betreffen.
Kant
Nach Kant ist Wahrhaftigkeit eine Rechtspflicht, die ihrem Wesen nach keine Ausnahme vertrĂ€gt (siehe auch Die Metaphysik der Sitten). âAlle rechtlich-praktischen GrundsĂ€tze mĂŒssen strenge Wahrheit enthalten.â (Immanuel Kant: AA 000008VIII, 430cite-ref-20[20]) Daraus folgt aber, dass es in keinem denkbaren Anwendungsfall eine Ausnahme geben kann: Wenn es ein LĂŒgenverbot gibt, gilt es in jedem Fall. Allerdings besitzt der Mensch eine natĂŒrliche Neigung zur LĂŒge: âDie LĂŒge [âŠ] ist der eigentliche faule Fleck in der menschlichen Natur.â (Immanuel Kant: AA 000008VIII, 422cite-ref-21[21]) Das LĂŒgenverbot gilt, da Wahrhaftigkeit eine Bedingung der Selbstverpflichtung ist und daher Bestandteil der Rechtsquelle: â[Die LĂŒge] schadet jederzeit einem Anderen, wenn gleich nicht einem andern Menschen, doch der Menschheit ĂŒberhaupt, indem sie die Rechtsquelle unbrauchbar macht.â (Immanuel Kant: AA 000008VIII, 426cite-ref-22[22]) Selbst eine LĂŒge, die keinem Betroffenen unmittelbar schadet oder in der konkreten Situation einen Vorteil verschafft, ist also verboten, da sie immer die Menschheit im Allgemeinen schĂ€digt.
In kurzgefasster Form findet man Kants scharfe Ablehnung jeder Art von LĂŒge auch im Aufsatz Ăber ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lĂŒgen.
Nietzsche
Die besondere Position Nietzsches lautet: âWer nicht lĂŒgen kann, weiĂ nicht, was Wahrheit istâ (Nietzsche: Also sprach Zarathustra). In seiner Schrift Ăber Wahrheit und LĂŒge im auĂermoralischen Sinne von 1873 betrachtet er die Problematik der Wahrhaftigkeit anhand einer Genealogie der Sprache: Da jedes Wort selbst eine Ungenauigkeit und damit eine Unwahrheit darstellt, kann Sprache kein Fundament der Wahrheit sein. Nietzsche weist darauf hin, dass demnach der Gebrauch von Worten in konventioneller Weise keine Wahrheit enthĂ€lt. Da Menschen jedoch gesellschaftliche Wesen sind und ihre Sprache darum traditionellen Mustern folgen muss, besteht Wahrhaftigkeit in der moralischen âVerpflichtung, nach einer festen Konvention zu lĂŒgenâ. âDie Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind, Metaphern, die abgenutzt und sinnlich kraftlos geworden sind, MĂŒnzen, die ihr Bild verloren haben und nun als Metall, nicht mehr als MĂŒnzen, in Betracht kommen.â (Nietzsche: âĂber Wahrheit und LĂŒge im auĂermoralischen Sinneâ)cite-ref-23[23].
Soziologie
Der österreichische Migrationssoziologe Peter Stiegnitz propagiert fĂŒr die Erforschung des LĂŒgenverhaltens eine neue Disziplin, die er Mentiologie nennt.
Symbolik fĂŒr LĂŒgen
Lange Nase
Pinocchios kurze, spitze Holznase wird lĂ€nger, wenn er unter Stress steht, speziell wenn er lĂŒgt. Seine Nase, die bei jeder LĂŒge betrĂ€chtlich wĂ€chst, verrĂ€t ihn und bringt ihn letztlich vom LĂŒgen ab. Mit der wachsenden Bekanntheit dieser Kinderbuchfigur (seit 1881) verbreitete sich auch die Bekanntheit der âlangen Naseâ als Symbol fĂŒr eine LĂŒge, besonders in der Kindererziehung.
Nudeln ĂŒber die Ohren
Ein gelĂ€ufiges Symbol fĂŒr LĂŒgen in der russischen Sprache ist die relativ alte Redewendung âNudeln ĂŒber die Ohren hĂ€ngenâ (russ.: ĐČĐ”ŃаŃŃ Đ»Đ°ĐżŃŃ ĐœĐ° ŃŃĐž; wĂ©schat lapschĂș na Ășschi; IPA [ËvÊČeÊÉtÊČ É«ÉËpÊu Ëna ÊÊÉš]) bedeutet âbelogen worden zu seinâ, âjemanden hinters Licht fĂŒhrenâ, es bezeichnet eine freche LĂŒge, eine absichtliche IrrefĂŒhrung oder einen Betrug. Beispiel: âSie haben ihm damals Nudeln ĂŒber die Ohren gehĂ€ngt.â = âSie haben ihm damals die Hucke vollgelogen.â Charakterisiert wird mit dieser Symbolik nicht der Sender der LĂŒge, sondern der EmpfĂ€nger der LĂŒge. Die Redewendung wird eher im familiĂ€ren Sprachgebrauch im freundlichen Umgang mit Bekannten verwendet, so etwa in der Tonart wie: âWarum erzĂ€hlst du mir hier eins vom Pferd?â (= Unsinn erzĂ€hlen = lĂŒgen).
Diese Redewendung wurde im russischen Sprachraum zum Meme. Die belogene Person wird auf Bildern typischerweise mit Spaghetti dargestellt, die ihm reichlich ĂŒber beide Ohren gehĂ€ngt wurden. Diese im Alltag verwendete Redewendung soll der Bezichtigung einer LĂŒge einen ironischen Touch verleihen. Um die Bildaussage noch zu verstĂ€rken, wenn der EmpfĂ€nger so richtig dick belogen wurde, dass sich die Balken biegen, kann die Darstellung noch mit einer Riesenportion Spaghetti auf dem Kopf dargestellt werden, die ihm wie Haare herunterhĂ€ngen. Sprachlich gibt es jedoch keine standardisierte Ausdrucksweise, um die Aussage noch zu verstĂ€rken.
Gelegentlich wird der Sender der LĂŒge mit einer Hand voll ober beiden HĂ€nden voll Spaghetti dargestellt, sprachlich ausgedrĂŒckt: âEr hĂ€ngt ihnen Nudeln ĂŒber die Ohren.â Das löst beim Betrachter die Assoziation aus, dass er diese Spaghetti gleich jemandem ĂŒber âdie Ohren hĂ€ngen wird.â Die Symbolik der LĂŒge in der russischen Redewendung bezieht sich meist auf den EmpfĂ€nger, weshalb die Ăbersetzung âbelogen worden zu seinâ im wörtlichen, engeren Sinn genauer ist, als die Ăbersetzung âjemanden schamlos belĂŒgenâ. Gelegentlich wird das âNudeln-ĂŒber-die-Ohren-HĂ€ngenâ auch einfach nur mit einer dezenten, pantomimischen Handgeste angedeutet.
FĂŒr den Ursprung der Redewendung gibt es mehrere unbelegte Hypothesen.
âą 1.) Es gibt eine Version, dass dieser Satz von dem französischen Wort âla pocheâ (Tasche) stammt. Mit diesem Wort wurden Taschendiebe bezeichnet. Und angesichts der Tatsache, dass âla pocheâ in der russischen Transkription als âла ĐżĐŸŃâ (âla poschâ) ausgesprochen wird, wurde darĂŒber spekuliert, dass die Redewendung ĂŒber das russische Verb ĐŸĐ±Đ»Đ°ĐżĐŸŃĐžŃŃ (oblaposchit, IPA [ÉbÉ«ÉËpoÊÉštÊČ]; deutsch: betrĂŒgen, beschwindeln, narren) Eingang in die russische Sprache gefunden hat, weil sich das französische âla pocheâ (Tasche) allmĂ€hlich zum russischen лапŃŃ (lapschu; Nudeln) verschliffen hat. Der Zusammenhang mit den Ohren ist dann naheliegend, weil wir Informationen von anderen Personen mit den Ohren wahrnehmen â auch wenn sie nicht wahr sind. Besonders LĂŒgenkonstrukte werden eher mit den Ohren und weniger mit den Augen vermittelt und wahrgenommen, abgesehen von gelesenen LĂŒgen-Texten, BildfĂ€lschungen und ZauberkĂŒnstlern.
âą 2.) Nach einer weiteren Version ĂŒber den Ursprung der Redewendung wurde der Ausdruck durch den Jargon der Verbrecher und Diebe verbreitet â russische Gaunersprache, historisch Fenya (russ. âŃĐ”ĐœŃâ), moderner Blat (russ. âблаŃâ). In diesen Kreisen wurde Mitte des 20. Jahrhunderts als âOhrâ ein Mann bezeichnet, der Informationen sammelt, auf der StraĂe lauschte und die notwendigen Informationen an den AnfĂŒhrer der Gauner weitergab. Als âNudelnâ bezeichnete man ein Seil, das dazu bestimmt war, die HĂ€nde zu fesseln. Die codierte Redewendung âNudeln an den Ohren zu hĂ€ngenâ bedeuteten also ein Mitglied (âOhrâ) einer Diebesbande zu fesseln (Nudel), also zu fangen und zu entwaffnen.
âą 3.) Die russische Gaunersprache stĂŒtzt eine weitere Hypothese: âjemandem seine Lauscherohren verstopfenâ = ihn in die Irre fĂŒhren. Lapscha (лапŃа) kann nicht nur Nudel bedeuten, sondern in der phantasievollen Gaunersprache auch fĂŒr alles Mögliche mit lĂ€nglicher Form stehen, beispielsweise ein Draht oder ein StĂŒck Stoff. Jemandem âmit Nudeln die Ohren behĂ€ngenâ bedeutet dann âjemanden der lauscht in die Irre fĂŒhrenâ.
âą 4.) Die Hauptbedeutung fĂŒr Lapscha (лапŃа) in der russ. Gaunersprache ist aber Strafproszess. Dann ist die Redewendung zu verstehen, als âjemandem ein erfundenes Strafverfahren anzuhĂ€ngenâ.
AnfĂŒhrungszeichen
Um eine Aussage als mögliche LĂŒge zu charakterisieren, kann auch das Wörtchen âsogenanntâ eingefĂŒgt werden. In der mĂŒndlichen Rede wird dieses âsogenanntâ durch die Geste von AnfĂŒhrungszeichen dargestellt, indem der Sprecher mit beiden erhobenen HĂ€nden wĂ€hrend seiner relativierten, zweifelhaften Aussage die AnfĂŒhrungsstriche zu beiden Seiten des Kopfes mit Zeige- und Mittelfinger in die Luft âschreibtâ. Mit diesen âAnfĂŒhrungszeichenâ wird die dabei getĂ€tigte Aussage als nicht wirklich zutreffend, bzw. als irrefĂŒhrend charakterisiert. Diese ursprĂŒnglich in den USA verbreitete Geste hat in den letzten Jahrzehnten auch im deutschen Sprachraum Verbreitung gefunden. Die Geste der AnfĂŒhrungsstriche und das Wörtchen âsogenanntâ als Ausdrucks des Zweifels an der Aussage, charakterisiert die getĂ€tigte Aussage nicht unbedingt so direkt und stark als LĂŒge, wie Pinocchios lange Nase oder die Nudeln ĂŒber den Ohren in der russischen Sprache. Dieses im Englischen air quote (Luftzitat oder LuftanfĂŒhrungszeichen), poetisch auch doppelte HĂ€schenfinger genannte Handzeichen kann Euphemismus, Ironie oder Sarkasmus ausdrĂŒcken.
Sand, BĂ€r, Beine, MĂŒnchhausen, Seemannsgarn
Eine weitere Redensart, die ein dem LĂŒgen oder auch TĂ€uschen nahekommendes Vorgehen bezeichnen ist: âSand in die Augen streuenâ und Augenwischerei.
Die Redewendung âjemandem einen BĂ€ren aufbindenâ drĂŒckt auch aus, das jemand belogen oder getĂ€uscht wird. Die wahrscheinlichste Herleitung ist die von der germanischen Wortwurzel bar-. Sie stand fĂŒr tragen. SpĂ€ter wusste man nicht mehr, dass bar fĂŒr Last stehen sollte und deutete es volksetymologisch zu BĂ€r um, was jedoch auch keine klar verstĂ€ndliche Aussage brachte. In der Folge hat der Volksmund sich eine Reihe von Geschichtchen und Anekdoten ĂŒberlegt, die die Redewendung erklĂ€ren sollen. Eine davon handelt von JĂ€gern, die in einer Wirtschaft einkehren, die verzehrten Speisen und GetrĂ€nke jedoch nicht bezahlen können. Sie ĂŒberzeugen den Wirt schlieĂlich, einen BĂ€ren als Pfand anzunehmen. Erst nachdem die JĂ€ger schon das Weite gesucht haben, bemerkt der Wirt seinen schlechten Tausch und fragt sich, was er mit einem lebenden BĂ€ren soll.cite-ref-24[24]
Eine andere Quelle nimmt in ihrer ErklĂ€rung der Redewendung Bezug darauf, dass es nicht möglich ist, jemandem einen BĂ€ren auf den RĂŒcken zu binden, ohne dass er etwas bemerkt.cite-ref-25[25]
Die Redensart âLĂŒgen haben kurze Beineâ weist darauf hin, dass man mit LĂŒgen nicht weit kommt. Seinen Ursprung hat diese Redewendung in der Annahme, dass man mit kurzen Beinen rasch ermĂŒdet, und so sein Ziel wohl nicht erreicht. Mit anderen Worten: LĂŒgen lohnt sich nicht, weil die Wahrheit irgendwann doch herauskommt.
LĂŒgenbaron Baron MĂŒnchhausen mit seinen LĂŒgengeschichten,cite-ref-26[26] mit ĂbergĂ€ngen von phantasievollen AusschmĂŒckungen (Fabulieren) ĂŒber Ăbertreibungen bis zur LĂŒge. Da diese LĂŒgen als solche leicht zu durchschauen sind, werden sie auch entschuldigend und mildern als Flunkern (nicht ganz bei der Wahrheit bleiben) oder Aufschneiden bezeichnet. Eine gewisse Analogie hat das âSeemannsgarn spinnenâ, womit zweifelhafte Geschichten oder Ăbertreibungen bezeichnet werden, die nicht weit vom LĂŒgen entfernt sind. Bei Kindern kann neben der knallharten LĂŒge eine solche auch auf magischem Denken beruhen, das im Rahmen der kindlichen Entwicklung der Phantasiewelt des Kindes entspringt.
Siehe auch
âą Augenwischerei
âą Doppelmoral
âą Heuchelei
âą LebenslĂŒge
âą LĂŒgenmuseum
âą LĂŒgner-Paradox
âą Othello-Effekt
âą Recht auf LĂŒge
âą Seemannsgarn
Literatur
âą Maria Bettetini: Eine kleine Geschichte der LĂŒge. Von Odysseus bis Pinocchio. Wagenbach, Berlin 2003
âą GĂŒnther Bien, R. Denker: LĂŒge. In: Joachim Ritter (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 5 (1980), Sp. 533â545.
âą Klaus-JĂŒrgen Bruder, Friedrich VoĂkĂŒhler: LĂŒge und SelbsttĂ€uschung. (= Philosophie und Psychologie im Dialog 7). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, ISBN 978-3-525-45200-4.
âą Simone Dietz: Die Kunst des LĂŒgens. Eine sprachliche FĂ€higkeit und ihr moralischer Wert. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2003, ISBN 3-499-55652-9.
âą Simone Dietz: Der Wert der LĂŒge. Ăber das VerhĂ€ltnis von Sprache und Moral. Habilitation. Mentis, Paderborn 2002, ISBN 3-89785-271-3.
âą Steffen Dietzsch: LĂŒge. UmriĂ einer Begriffsgeschichte. In: Kurt Röttgers, Monika Schmitz-Emans (Hrsg.): Dichter lĂŒgen. Die Blaue Eule, Essen 2001.
âą Steffen Dietzsch: Kleine Kulturgeschichte der LĂŒge. Reclam, Leipzig 1998, ISBN 3-379-01580-6.
âą Bettina Giese: Untersuchungen zur sprachlichen TĂ€uschung. (= Reihe Germanistische Linguistik, Band 129). Max Niemeyer Verlag, TĂŒbingen 1992, ISBN 3-484-31129-0.
âą Karen Gloy: Wahrheit und LĂŒge. Königshausen, Neumann, WĂŒrzburg 2019, ISBN 978-3-8260-6874-4.
âą Oliver Hallich: Angemessene LĂŒgen. Ein sozialphilosophischer Essay. Meiner, Hamburg 2023, ISBN 978-3-7873-4404-8.
âą Immanuel Kant: Ăber ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lĂŒgen. 1797.
âą Rochus Leonhardt, Martin Rösel: DĂŒrfen wir lĂŒgen? AnnĂ€herungen an ein aktuelles Thema. Neukirchen-Vluyn, 2002.
âą Claudia Mayer: Lob der LĂŒge â warum wir ohne sie nicht leben können. List/Ullstein, Berlin 2007, ISBN 978-3-471-79552-1.
âą Jochen Mecke: LĂŒge. In: Gert Ueding (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. WBG, Darmstadt 1992ff., Band 10 (2011), Sp. 589â605.
âą Jörn MĂŒller, Hanns-Gregor Nissing (Hrsg.): Die LĂŒge. Ein AlltagsphĂ€nomen aus wissenschaftlicher Sicht. WBG, Darmstadt 2007, ISBN 978-3-534-20123-5.
âą Fritz Pasierbsky: LĂŒgensprecher â Ehebrecher â Mordstecher. Warum wir nicht lĂŒgen sollen und es doch nicht lassen können. Frankfurt am Main 1996.
âą Arnd Pollmann: LĂŒge. In: ders., Unmoral. Ein philosophisches Handbuch. Von Ausbeutung bis Zwang. C. H. Beck, MĂŒnchen 2010.
âą Jeannette Schmid: LĂŒgen im Alltag. Zustandekommen und Bewertung kommunikativer TĂ€uschungen. MĂŒnster 2000
âą Volker Sommer: Lob der LĂŒge. TĂ€uschung und Selbstbetrug bei Tier und Mensch. MĂŒnchen 1992, ISBN 3-423-30415-4.
âą Peter Stiegnitz: Die LĂŒge. Das Salz des Lebens. Edition Va Bene, Wien 1997, ISBN 3-85167-062-0.
âą Roger Willemsen, Traudl BĂŒnger: âIch gebe Ihnen mein Ehrenwort.â Die Weltgeschichte der LĂŒge. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-030140-6.
âą Zeitzeichen (Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft): Themenheft Wir LĂŒgner. Warum Menschen nicht die Wahrheit sagen (mit sechs BeitrĂ€gen). Heft Februar 2018, S. 24â41, ISSN 1616-4164.
Weblinks
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â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wikiquote: LĂŒge
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Commons
: Lies
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Literatur von und ĂŒber LĂŒge im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą James Edwin Mahon: The Definition of Lying and Deception. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.
âą Jeannette Schmid: Ăber das LĂŒgen. In: uni-frankfurt.de. 6. Mai 2014; abgerufen am 1. MĂ€rz 2021.
âą Alexa Wilke: LĂŒge / LĂŒgen. In: Michaela Bauks, Michael Pietsch, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart September 2018, abgerufen am 2. Oktober 2023.
Einzelnachweise
cite-note-11. â James Edwin Mahon: The Definition of Lying and Deception. In: The Stanford Encyclopedia of Philosophy. Winter 2016 Auflage. Metaphysics Research Lab, Stanford University, 2016 (stanford.edu [abgerufen am 17. Oktober 2023]).
cite-note-22. â Jeannette Schmid: LĂŒgen im Alltag. Zustandekommen und Bewertung kommunikativer TĂ€uschungen. MĂŒnster 2000.
cite-note-33. â Brad Blanton: Radical Honesty, The New Revised Edition: How to Transform Your Life by Telling the Truth. 2. Auflage. SparrowHawk Publications, 2007, ISBN 978-0-9706938-4-6.
cite-note-44. â BAG, Urteil vom 19. Mai 1983, Az. 2 AZR 171/81.
cite-note-55. â BAG Az. 2 AZR 227/92
cite-note-66. â VorstellungsgesprĂ€ch: Unerlaubte Fragen. Abgerufen am 3. Februar 2022.
cite-note-77. â dazu LAG Köln vom 16. Juni 2000, Az. 11 Sa 1511/99 und LAG NĂŒrnberg vom 24. August 2005, Az. 9 Sa 400/05.
cite-note-88. â Norman M. Spreng, Stefan Dietrich: Studien und Karriere-Ratgeber fĂŒr Juristen. Springer Verlag, 2006, ISBN 3-540-23642-2, S. 184.
cite-note-99. â JĂŒrgen Hesse, Hans Christian Schrader: Das groĂe Hesse Schrader Bewerbungshandbuch. Eichborn Verlag, 2010.
cite-note-1010. â Armin Burkhardt: Zwischen Monolog und Dialog. Zur Theorie, Typologie und Geschichte des Zwischenrufs im deutschen Parlamentarismus. Walter De Gruyter, Berlin/New York 2004, S. 371.
cite-note-3sat-1212. â Notorische LĂŒgner haben eine andere Hirnstruktur (Memento vom 10. Februar 2013 im Webarchiv archive.today), in: 3sat, nano, 30. September 2005 [19. Februar 2006]
cite-note-1313. â The science of lying: Why the truth really can hurt. 4. Juli 2010, abgerufen am 17. Oktober 2023 (englisch).
cite-note-1414. â Erkennbarkeit der LĂŒge: Alltagstheorien und empirische Befund. Abgerufen am 3. Februar 2022.
cite-note-1515. â Weitere Beispiele in: Martin Rösel: Zwischen dem 8. Gebot und Abrahams LĂŒge. In: Leonhardt/Rösel, S. 1â20.
cite-note-1616. â Hadith von Sahih Muslim Buch 32 Nr. 6303 (Memento vom 17. Dezember 2007 im Internet Archive)
cite-note-1717. â Max Ladner: Wirklichkeit und Erlösung. Verlag Christiani, Konstanz 1952, ISBN 3-931095-12-6
cite-note-1818. â A Chanting Guide. Abgerufen am 17. Oktober 2023.
cite-note-1919. â Digha Nikaya 22, Satipatthana Sutta. Abgerufen am 17. Oktober 2023.
cite-note-2020. â Immanuel Kant, Gesammelte Schriften. Hrsg.: Bd. 1â22 Preussische Akademie der Wissenschaften, Bd. 23 Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, ab Bd. 24 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Berlin 1900ff., AA 000008VIII, 430 / Ăber ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lĂŒgen, Faksimile
cite-note-2121. â Immanuel Kant, Gesammelte Schriften. Hrsg.: Bd. 1â22 Preussische Akademie der Wissenschaften, Bd. 23 Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, ab Bd. 24 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Berlin 1900ff., AA 000008VIII, 422 / VerkĂŒndigung des nahen Abschlusses eines Tractats zum ewigen Frieden in der Philosophie, Faksimile
cite-note-2222. â Immanuel Kant, Gesammelte Schriften. Hrsg.: Bd. 1â22 Preussische Akademie der Wissenschaften, Bd. 23 Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, ab Bd. 24 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Berlin 1900ff., AA 000008VIII, 426 / Ăber ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lĂŒgen, Faksimile
cite-note-2323. â SĂ€mtliche Werke, Band 7.1, UnzeitgemĂ€Ăe Betrachtungen. Stuttgart 1976, ISBN 3-520-07106-1, S. 611.
cite-note-2424. â Klaus MĂŒller (Hrsg.): Lexikon der Redensarten. Herkunft und Bedeutung deutscher Redewendungen. Bassermann Verlag, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-8094-1865-X, Seite 46
cite-note-2525. â Dudenredaktion (Hrsg.): Duden, Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. In: Der Duden in zwölf BĂ€nden. 2., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Band 11, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/ZĂŒrich 2002, ISBN 3-411-04112-9, Seite 92
cite-note-2626. â Vgl. etwa LĂŒgen-Chronik oder Wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande und lustige Abenteuer des Freiherrn v. MĂŒnchhausen. Nach der Ausgabe von 1839. Harenberg, Dortmund (= Die bibliophilen TaschenbĂŒcher. Band 17).